„Wir sind stark“ – Gruppe gibt Kindern von an Krebs erkrankten Müttern Halt

WIR SIND STARK, die therapeutische Gruppe für Kinder und Jugendliche, deren Mütter an Krebs erkrankt sind, hat sich ihr Programm zum Namen gemacht. Initiiert wurde sie vom Brustzentrum am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz der Vitos-Klinik Heppenheim, geleitet wird sie von der Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendtherapeutin Karolina Stolecka-Meinert (hinten, Zweite von links).

Therapeutisches angebot // IM Austausch und Spiel finden Mädchen und Jungen zusammen
und merken, dass sie nicht alleine sind // Weg zurück zu Lebensfreude // Projekt von Kreiskrankenhaus und Kinder- und Jugendpsychiatrischer Ambulanz der Vitos-Klinik

KREIS BERGSTRASSE | Januar 2017 | Es ist einer der Tage, an denen die Sonne am Nachmittag hell durch die Fenster scheint. Das tut gut. So, wie das Miteinander in dieser Gruppe, die sich in einem großen Raum im Verwaltungskomplex des Kreiskrankenhauses Bergstraße im Südwesten Heppenheims trifft, gut tut. Mädchen und Jungen kommen hier zusammen, deren Mütter an Krebs erkrankt sind. Es ist eine Therapiegruppe, initiiert vom Brustzentrum Bergstraße (bzb) am Kreiskrankenhaus und der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz der benachbarten Vitos-Klinik Heppenheim. Finanziert wird das Projekt über den Förderverein „Freunde des Kreiskrankenhauses Bergstraße“, somit über Spenden von außen.

Die Gruppe bietet Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis zwölf Jahren einen geschützten Raum, in dem sie miteinander spielen und ins Gespräch kommen können, in dem sie zu sich finden können. Vielfach gerät die Welt von Kindern komplett aus dem Gleichgewicht, wenn die Mutter eine Brustkrebsdiagnose erhält. Nichts ist mehr wie zuvor, weder für die Frauen noch für ihre Familien. Der Nachwuchs reagiert sehr unterschiedlich, zieht sich zurück oder verfällt ins Gegenteil, wird ungewöhnlich agil, vielleicht sogar renitent. Viele Verhaltensmuster finden sich auch zwischen solchen Extremen. Immer aber sind sie Ausdruck von inneren Schwierigkeiten, die das Kind in der veränderten familiären Lebenssituation hat, auf die es von niemandem vorbereitet werden konnte.

In der Gruppe, die 2014 ins Leben gerufen wurde, sehen die Kinder, dass sie mit ihren Erfahrungen und Gefühlen nicht alleine sind. Sie treffen auf Gleichaltrige mit ähnlicher Familiengeschichte. Schon dies zu erleben kann helfen, wie Gespräche mit betroffenen Kindern zeigen. Es ist Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Karolina Stolecka-Meinert, die die Mädchen und Jungen einlädt, über ihre Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen zu sprechen, untereinander aber auch im Dialog mit ihr, zwanglos und immer nur so weit gehend, wie jeder dies für sich möchte. Im Hintergrund arbeitet Stolecka-Meinert eng mit der Psychoonkologin des Kreiskrankenhauses, Dr. Tonja Deister, zusammen. Ein Team, das um die Bedürfnisse der Mädchen und Jungen weiß. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt Pauline, ein Kind, das eingesteht, welch schwere Zeit sie durchlebt hat.

Einmal im Monat trifft sich die Gruppe. Dabei ist viel Platz für Kreativität. Vieles ist bunt hier, und natürlich darf es bei den Treffen auch fröhlich und laut zugehen. Nichts ist aufgesetzt. Wer die Kinder erlebt, spürt, dass sie sich im Miteinander und im Kontakt mit Karolina Stolecka-Meinert geborgen fühlen und Sicherheit gewinnen. Eine Sicherheit, die ihnen außerhalb der Gruppe Halt geben soll, in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule. Die Kinder sollen, soweit es die Situation zulässt, zurück zu größtmöglicher Normalität finden. Auf dem Weg dorthin gibt die Gruppe Impulse. Karolina Stolecka-Meinert möchte dabei Perspektiven verändern, sie sagt: „Es geht darum, dass wir uns nicht auf die Krankheit, sondern auf das Gesundsein konzentrieren.“

Anfangs hatte die Gruppe keinen Namen. Inzwischen hat sie ihr Programm zum Namen gemacht: „Wir sind stark“. Wer sich ausreichend gestärkt fühlt, kann, so er denn will, auch wieder Adieu sagen und seinen Alltag ohne die regelmäßigen Treffen leben. Kommen und Gehen sind offen. Und neue Kinder werden herzlich empfangen. Aktuell gibt es freie Plätze. Pauline sagt; „Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt. Es ist schön, jemand Neuen kennenzulernen, ihm zu helfen.“ Sie spricht für die Gruppe, von der sie sich am Tag des Gesprächs verabschiedet: „Mama ist jetzt einigermaßen gesund, wir werden wieder in den Alltag einsteigen.“ Die Zeit ist reif dazu. Ihre persönliche Bilanz: „Ich habe gelernt, wie ich mir das Leben ein bisschen versüßen kann.“

KONTAKT

Die Gruppe „Wir sind stark“ trifft sich am zweiten Mittwoch eines jeden Monats jeweils in der Zeit von 15 Uhr bis 16.30 Uhr in einem Raum am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim. Anmeldungen sind möglich über die Kinder- und Jugendpsychiatrische Ambulanz der Vitos-Klinik in Heppenheim, Telefon 06252-93333. Ansprechpartnerin ist Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Karolina Stolecka-Meinert, Kontakt via E-Mail: karolina.stolecka-meinert@vitos-riedstadt.de

SPENDENMÖGLICHKEIT

Freunde des Kreiskrankenhauses e.V.
Stichwort: Wir sind stark
IBAN: DE37 5095 1469 0010 4285 55
BIC: HELADEF1HEP

Hilfe die ankommt

KREIS BERGSTRASSE | Januar 2017 | Wie wichtig der Austausch und das Spiel in der Gruppe sind wissen auch die Mütter. Eine von ihnen sagt über die Situation in vielen Familien: „Die Kinder kommen vielfach zu kurz, weil Mütter oft mit der Diagnose überfordert sind und in ein Loch fallen.“ Für die Betroffenen ist es somit gut zu erleben, dass ihre Kinder in der Gruppe Hilfestellung bekommen. Zumal nicht selten in Teilen das private Umfeld mit der Erkrankung der Mutter wegbricht. Dann nämlich, wenn sich die Umwelt im Umgang mit der Situation schwer tut, deshalb den Kontakt meidet, auch Spielkameraden machen sich oft rar. Eine andere Mutter sagt mit Blick auf die eigene Tochter und den Austausch in der Gruppe: „Das hat ihr unglaublich geholfen.“ Was den Kindern guttut wird aus dem Kreis der Mütter auf den Nenner gebracht: „Sie können sich öffnen, sie können fragen, sie können sich fallenlassen.“ Ohne Ängste, auch ohne die Angst, vielleicht die Mutter mit einer Frage zu verletzen. Das Pilotprojekt ist zur festen Einrichtung geworden, und in Zukunft soll der Dialog mit den Müttern weiter ausgebaut werden.

Foto: Förderverein „Freunde des Kreiskrankenhaus Bergstraße“ / Thomas J. Zelinger

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